
2017
Normalerweise ist es mir am liebsten, mit Oberstufenklassen selbst Stücke zu entwickeln, die auf den Themen fußen, die sie gerade im Leben umtreiben. Ebenso wichtig ist es mir, dass sie das Stück und die Figuren aus ihrer Lebenerfahrung heraus erfassen und füllen können. Um so skeptischer war ich darum, als sie auf Richard III als Stück geradezu bestanden.
Es ist Shakespeares blutigstes Stück mit seinen meisten Toten. Zudem wollte die Klasse, dass Richard eine Frau spielen sollte, die mit meisterhafter Hinterlist und Verführung durch ihre Intrigen ihre Gegner in den Tod schickt. Thema und Anspruch an Textänderungen und Umsetzung, wurden schon in der Vorbereitung von Tag zu Tag komplexer. Was mich jedoch überzeugte, waren die Art der kämpferischen Argumentation und der unerbittliche Einsatz für „ihr Stück“. Ich hatte gar keine andere Wahl als darauf einzugehen und es zählt am Ende, im Rückblick auf meine theaterpädagogische Arbeit, zu einem der wirklichen Meisterstücke. Ich danke der Klasse für ihre Standhaftigkeit und Professionalität und menschliche Nähe!

