Sudhoffnung

Kabarett-Programm von Tobias Sudhoff mit Klaus Bensen


Funktion: Regie
Ort: Bundesweit
Jahr: 2015


Videolink (auf YouTube)



Presse

„Das Leben ist eine ernste Angelegenheit. Es endet tödlich. Und irgendwie verbringt man die meiste Zeit mit der erfolglosen Jagd nach dem Glück. Dabei verzapft der Mensch jede Menge Unsinn, in der fälschlichen Annahme, das irdische Dasein sei bloß ein Probelauf. „Das Leben ist aber nicht die Generalprobe, es ist schon die Premiere“, weiß Tobias Sudhoff. „Ich selbst habe es aufgegeben, glücklich zu werden. Denn jetzt habe ich viel mehr Zeit, um glücklich zu sein.“
Mit „Glück – Sudhoffnung für alle“ gastierte der Kabarettist Freitagabend in der Cobra. „Was ist für Sie Glück, was wünschen Sie sich?“, fragt Sudhoff am Anfang des Programms ins Publikum. „Wenn ich die Rente bekomme“, kommt eine Antwort. „Na, da haben Sie Ihre Ziele aber hoch angesiedelt.“ Zwei Arten von Wünschen kann Sudhoff, der als ein rechter Spitzbube auf der Bühne agiert, ausmachen. Erstens die hedonistischen: endlich Ferrari fahren und auf Weltreise gehen. Zweitens: die christlichen, wo Leiden und Fegefeuer schon Teil der Grundidee sind. Etwa mit Bungee-Springen mit einem Stahlseil oder den Jakobsweg auf Knie entlang robben: „Glück hat was mit Religion zu tun.“ Religion ist Hoffen auf etwas, das man nicht beweisen kann. Im Gegensatz zur Esoterik, die sich dahin-gehend keinerlei Blöße gibt, sondern für reichlich explosiven Input sorgt: „Nach einem vierstündigen Obertonsingen-Seminar für den inneren Frieden war ich so was von geladen.“
Die wahre Zwillingsschwester der Religion aber ist die Naturwissenschaft: „Die macht uns Angst vor etwas, das sie beweisen kann – um uns dann die Gegenmittel zu verkaufen.“ Seine muntere Reise zum Glück garniert Tobias Sudhoff mit Kalauern („Hören sie das?“, sagt er und schüttelt ein Glas Kaviar. „Störgeräusche“) und immer wieder mit einfühlsamen und nachdenklichen Liedern. Wie das vom Kind auf dem Kirmes-Karussell – und seinem Vater, dessen Leben ebenfalls einer deprimierenden Karussellfahrt gleicht, im Trott des ewig gleichen Alltags. An E-Piano und Vibraphon zeigt Sudhoff, dass er ein nicht minder ausgezeichneter und witziger Musiker ist. Zum Liedchen vom „Halben Hähnchen“, das mit Glutamat bestreut, stundenlang am Grill gedreht wird, passt der Kikeriki-Refrain, den das Publikum mit Begeisterung aufgreift.
Tobias Sudhoff singt, spielt Klavier, und mit einem an den Kopf geklebten Schlegel bedient er auch noch Trommel und Becken – zirkusreif: „Einen Schlagzeuger kann ich mir leider nicht leisten.“ Trotzdem kein Grund, unglücklich zu sein.
„Der erste Schritt zum Glück ist, die Dinge die man nicht ändern kann, zu akzeptieren, wie sie sind.“ Der zweite Schritt ist der, sich selbst so anzunehmen, wie man ist. Älterwerden ist für Sudhoff ein weiterer Baustein zum Glück. „Früher roch das für mich nach Katheter und Urinbeutel. Jetzt freue ich mich drauf. Auch wenn da die Fußnägel krumm und gelb werden, ist das auch nicht schlimm. Man kann es ja nicht sehen, weil der Rücken steif ist.“
(Text: Jan Crummenerl / Rheinische Post)



 

 

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