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Krabat
nach Ottfried Preußler

UA: Sorbisches National Theater Bautzen
Kleines Ensemble Bremen
1996


In der Zusammenarbeit zwischen Ulrich Thon und Ottfried Preußler entsteht eine ungewöhnliche Bühnenfassung des Jugendromans Krabat für das Kleine Ensemble Bremen, die am Sorbischen Nationaltheater in Bautzen zur Uraufführung gebracht wird.


Die Geschichte des Krabat
„Komm nach Schwarzkollm in die Mühle , es wird nicht zu deinem Schaden sein!“ Immer wieder hört Krabat, der vierzehnjährige Waisenjunge diese Worte – und neugierig macht er sich auf den Weg. Es scheint ein großes Geheimnis um die Mühle im Koselbruch zu geben, und geheimnisvolles geschieht auch, sobald Krabat dort eintrifft um sich als Lehrling zu verdingen …

„Eine lange ungemein packende Geschichte von seltener Eindringlichkeit und Geschlossenheit. Angeregt von Motiven der sorbischen Volkssage hat Ottfried Preußler mit seinem »Krabat« eine Erzählung geschaffen, die sprachlich und inhaltlich ihres gleichen sucht.“
(Passauer Presse)

Sorben kennen keine „Feinde“
Die Sorben sind zwei „Völker im Volk“ mit eigener Sprache und Kultur. Allein schon der Umstand, daß ein auf gut fünfzehn Jahrhunderte eigener Geschichte zurückschauendes Volk bis heute nicht die Notwendigkeit verspürt, das Wort „Feind“ in seinen Wortschatz aufzunehmen und höchstens von „Nichtfreund“ spricht, dürfte manchem Zeitgenossen zu denken geben. Ebenso merkwürdig ist die Tatsache, daß dem Sorbischen auch die Bezeichnung „Sieg“ fehlt und dementsprechend höchstens das Wort „Gewinn“ Verwendung findet …

Während eines Engagements in der Nähe Dresdens nutzte Ulrich Thon die Gelegenheit, in Bautzen und Umgebung über Krabats Wurzeln zu recherchieren. Dass er bei seiner Bearbeitung des Romans für drei Personen auch Kompromisse eingehen müsste, nahm er zum Teil schweren Herzens in Kauf. „Für mich ist das Stück jedoch zeitlos. Es bedarf nicht einer dogmatischen Traditionstreue um den Geist der sorbischen Kultur zu veranschaulichen und weiterzugeben.“




Hintergründe unserer Arbeit am »Krabat«

Wie die meisten Kinder und Jugendlichen im Westen Deutschlands, bin ich mit den Büchern von Ottfried Preußler aufgewachsen. Die von ihm bearbeitete Sage des Müllerburschen Krabat hatte – und hat für mich bis heute – einen übergeordneten Stellenwert anderen Sagen und Novellen gegenüber. Was ich als junger Mensch von der Sage mit roten Ohren ergriffen hatte, wandelte sich im Erwachsenalter zu einer brandaktuellen Metapher für die Gesellschaft in der ich lebe.
Wie Eschenbachs »Parsival« ist auch »Krabat« ein Entwicklungsroman, der den sich entwickelnden jungen Menschen immer wieder vor Entscheidungen stellt, die für das biographische Fortkommen unabdingbar zu lösen sind.
Die Versuchung, das Leben und seinen Verlauf äußerlich durch Tricks und Zauberei, durch Macht über sich und andere zu erlangen, ist das Angebot des Meisters der »Schwarzen Mühle«. Diesem Angebot gegenüber steht die ausgestreckte Hand Kantorkas, die Krabat gewährt, sein Leben im Kleinen biographisch und aus seinem Herzen heraus zu wandeln.
Wie in kaum einem anderen Jugendbuch gelingt es in Preußlers Krabat ein lichtes Vorbild zu schaffen, ohne viel Protz, keinen »Harry Potter«.
Während einer Probenphase für einen ganz anderen Stoff in Großenhain bei Dresden, stieß ich in den Sächsischen Sagen wieder auf die »Schwarze Mühle«. Um das Thema mit dem Kleinen Ensemble Bremen spielen zu können, musste ich es für eine kleine Besetzung einrichten. Ich beschloss eine Erzähltheaterfassung anzulegen, in der die Spieler in mehreren Rollen, aber auch als Erzähler und Figurenspieler agieren mussten. Der Verlag lehnte ab. Ich wandte mich verzweifelt an Otfried Preußler, der sich wiederum beim Verlag dafür einsetzte, dass wir den Stoff auf die Bühne bringen konnten.
»Krabat« wurde in jeder Hinsicht ein Lehrstück für uns. Christiane Marx, Michael Liermann und Pablo Keller nahmen die Herausforderung an, mit geringsten Mitteln und ständig wechselnden Rollen und Kostümen, mit Gemüse und wunderbaren Marionetten (die Marion Witt für uns gestaltet hat) das Sächsische Epos auf die Bühne zu bringen.
In Absprache mit Preußler hatte ich mich entschieden, die Lieder auf Sorbisch singen zu lassen, da die Sage – genaugenommen – aus dem Sorbischen Gebiet um Bautzen stammt. So ergab sich auch, dass wir eingeladen wurden, die Aufführung der Premiere am Sorbischen Nationaltheater durchzuführen.
Wir arbeiteten unter unglaublichem Zeitdruck, und wenige Tage vor der Premiere zeigte sich, dass das Stück viel zu lang war. Wir waren alle vollkommen übermüdet und aus dieser Verfassung heraus unterlief mir ein folgenreicher Fehler. Es gelang mir zwar, dass Stück auf knapp zwei Stunden zu kürzen, aber ich überprüfte die dramaturgische Stimmigkeit nicht mehr sorgfältig.
Nach einer schlechten Generalprobe packten wir unseren Kombi und einen geliehen Anhänger. Das Auto war bis unter das Dach voll, teilweise mussten wir die Requisiten auf den Schoß nehmen, bis wir in Bautzen ankamen.
Die Vorstellung war im Grunde gut besucht, aber das Stück zog sich wie Gummi, war düster und träge. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich alle fröhlichen Szenen gestrichen hatte um die Spieldauer zu verkürzen.
In der Pause fragte mich der Chefdramaturg des Theaters, ob das jetzt so weiter ginge. Er war nicht der einzige, der nach der Pause fehlte. Mir taten die Schauspieler leid, die gegen die Stimmung ankämpfen mussten, die das Stück im Raum heraufbeschwor.
Nach der Aufführung fuhren wir alle vollkommen überdreht nach Bremen zurück. Wir waren bereits drei Tage wach. Ich schrieb die Fassung sofort um. Wir bauten ein neues Bühnenbild. Wir probten erneut und brachten mit einem soliden und guten Stück dann doch noch eine erfolgreiche kleine Tournee zustande.


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