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Ansichten eines Clowns
(nach) Heinrich Böll

Regie: Margot Müller
Berlin, In- und Ausland
1986 / 2001


Die »Ansichten eines Clowns« waren mein Einstieg in die Theaterarbeit an sich und in die Freiberuflichkeit als Schauspieler. An Waldorfschulen ist es üblich, sich in der zwölften Klasse über ein Jahr einem Thema zu widmen, das man folgend der Schulgemeinschaft und der Öffentlichkeit vorstellt. Ich hatte beschlossen ein Theaterstück für eine Person zu erarbeiten.



Als er zu trinken anfängt und auf einer Bühne in Bochum ausrutscht, scheitert im Frühjahr 1962 die Karriere des siebenundzwanzigjährigen Clowns Hans Schnier. Seine Geliebte Marie Derkum hat ihn verlassen, weil er sich weigerte, das Verhältnis nach fünf Jahren durch eine Eheschließung zu legalisieren. Hans Schnier zieht sich in seine Bonner Wohnung zurück, trinkt und denkt über sich, sein Scheitern und seine Umwelt nach. Der melancholische Außenseiter lehnt es ab, sich kollektiven Ordnungsprinzipien unterzuordnen und ist „keiner Kirche steuerpflichtig“. Er hat die Nonne nicht vergessen, die behauptete, Maries tot geborenes Kind könne nicht in den Himmel kommen, weil man es nicht getauft habe. Er durchschaut die Selbstgerechtigkeit seines Vaters, eines erfolgreichen Unternehmers, und seines Bruders Leo, der katholischer Priester wird. Seine gefühlskalte Mutter, einer ehemaligen Nationalsozialistin, die zugelassen hatte, dass ihre sechzehnjährige Tochter Henriette 1945 als Flakhelferin ums Leben kam, engagiert sich jetzt als Präsidentin des „Zentralkomitees zur Versöhnung rassischer Gegensätze“. Schniers anfängliche Hoffnung auf einen moralischen und gesellschaftlichen Neuanfang in der Bundesrepublik Deutschland hat sich nicht erfüllt. Noch immer sind die Opportunisten am erfolgreichsten, und die Mitmenschlichkeit ist der Wirtschaftswunder-Mentalität unterlegen.

Keiner der Bekannten und Verwandten, die Hans Schnier anruft – darunter viele Katholiken –, hilft ihm. Am Ende setzt er sich auf eine Treppe am Bonner Bahnhof, spielt Gitarre und hofft auf die Rückkehr Maries, die jedoch mit ihrem katholischen Ehemann Heribert Züpfner die Flitterwochen in Rom verbringt.


Hintergründe zu meiner Arbeit an den »Ansichten eines Clowns«

Der Böllsche Stoff, die Erarbeitung des Stücks, die Auftritte und Tourneen im In- und Ausland haben mich über einen langen Zeitraum begleitet, geprägt und oft finanziell gerettet.
Die »Ansichten eines Clowns« waren mein Einstieg in die Theaterarbeit an sich und in die Freiberuflichkeit als Schauspieler. An Waldorfschulen ist es üblich, sich in der zwölften Klasse über ein Jahr einem Thema zu widmen, das man folgend der Schulgemeinschaft und der Öffentlichkeit vorstellt. Ich hatte beschlossen, ein Theaterstück für eine Person zu erarbeiten, zunächst Gogols Novelle »Tagebuch eines Wahnsinnigen«. Helen Heberer, die die Arbeit betreute, regte mich an nach alternativen Stoffen zu schauen. Auf der Suche nach sozialkritischen Themen stießen wir schließlich auf die »Ansichten eines Clowns« von Böll. Zu diesem Zeitpunkt legte ich die Rolle noch sehr äußerlich an, weil ich kaum über schauspielerisches Handwerkszeug verfügte. Und startete nach der gelungenen Präsentation der sogenannten Jahresarbeit eine kleine Tournee durch verschiedene Waldorfeinrichtungen und -schulen.

Danach blieb das Stück liegen, erfuhr noch ein paar Auftritte mit anderen textlichen Schwerpunkten, während ich mich in andern Arbeiten ausprobieren und weiterentwickeln konnte.
Erst 2001 beschloss ich mit Margot Müller einen Neuanfang des Stücks, in der ich erst alles Alte verwerfen musste, um einen freien Blick auf eine neue Fassung ermöglichen zu können. Es entstand ein komplett neuer Text und unter der großartigen Regie von Margot Müller eine wirklich vorzeigbare Inszenierung (Rechte: Kiepenhener & Witsch, Theaterverlag). Diese neue Fassung verhalf dem Stück schließlich zu dem angemessenen Erfolg, den ich mir immer gewünscht hatte und zu zahlreichen Aufführungen im In- und Ausland.


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