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unverfroren aufgetaut
Konzerttheater-Projekt mit Carolin Fortenbacher

Konzept und Regie
Gesang: Carolin Fortenbacher
Musikalische Leitung, Komposition, Gitarre: Dominik Pobot
Piano: Andreas Paulsen
Fliegende Bauten
Hamburg, 2010



Unverfroren aufgetaut – Ein Konzerttheaterabend

Wer gedacht hat, er kennt Carolin Fortenbacher, hat sich geschnitten. Schubladendenken aussichtslos. Als legendäres Schlachtross verrückter Unterhaltung ist die Ausnahmekünstlerin im Galopp nicht aufzuhalten. Trittsicher durch nahezu alle musikalischen Stilrichtungen und Stimmhöhen, packt sie in ihrem neuen Bühnenprogramm »unverfroren aufgetaut« alles am Stück kompakt auf die Bühne, was endlich mal gesagt und gesungen werden musste.








Fotos: Celine Fortenbacher

Feuergleich rockig, treibend und humorvoll, zieht sie uns gnadenlos in ihre trashige Standortbeschreibung mit hinein.
Der Rückblick auf vergangene Lebensstationen erlaubt ihr bei ihrer ungeheuren Vielseitigkeit, nicht in einem Fach hängen zu bleiben, auf das man sie festnageln könnte. Leichtfüßig greift sie neu interpretierte Songs aus vergangenen Repertoires auf, die wir persifliert kaum wieder erkennen, stellt sie mit großer Ausdruckskraft neben opulente Opernarien und ganz neue Lieder, oder versinkt fast flüsternd in der anrührenden Zartheit eines ernsten Kinderliedes.
Mit ihrem unglaublich frechen und mimisch total schrägen wie berührenden Spiel unter vollem Körpereinsatz, steht in »unverfroren aufgetaut« jedoch auch die Schauspielerin Carolin Fortenbacher im Vordergrund, die über ihre Kindheit erzählt, über Pubertät und Karriere nachdenkt und auch die schweren Lebensphasen in feinsinniger Art tiefgehend greift, betrachtet und verwirft, bevor sie wieder Anlauf für den nächsten musikalischen Ausbruch holt.
Der musikalische Theaterabend lebt vom mördermäßigen Crossovermix skuriler Details, den ausdrucksstarken Interpretationen der Lieder, und den kongenialen Musikern Dominik Probot (Gitarre) und Andreas Paulsen (Piano), die Carolin Fortenbacher mit ihrem feinen Gespür für atmosphärische Arrangements ebenbürtig zur Seite stehen. Regisseur Ulrich Thon versteht es in seiner Inszenierung geschickt den roten Faden sichtbar zu halten und auf hohem Niveau ein schnödes Nummernprogramm tunlichst zu vermeiden.
Wo gewöhnliche Unterhaltung endet, dürfen wir uns auf Carolin Fortenbacher mit ihrem neuen Bühnenprogramm »unverfroren aufgetaut« freuen.


Hintergründe

Carolin Fortenbacher wurde nach ihrem zweiten Platz im Vorentscheid für den Grand Prix mit Angeboten überschüttet. Künstlerisch orientierten sich diese jedoch vom Schwerpunkt her auf den Schlagerbereich. Carolin Fortenbacher hatte jedoch zuvor als Schauspielerin und Musical-Darstellerin auf der Bühne gestanden und wusste auf einmal, dass sie die ausschließliche Festlegung auf diesen Bereich einschränken und beruflich nicht weiterbringen würde. Ebenso musste sie feststellen, dass sie strahlend übers Ohr gehauen und vielfach schlecht beraten wurde.
Um nicht im Chaos dieser Situation ihr Potential und ihre Anerkennung in der Öffentlichkeit zu verspielen, bat sie mich um Hilfe von außen. Wir setzten uns mehrmals zusammen und begannen Ideen zu sammeln und nach Grundsträngen zu strukturieren. Ähnlich wie beim Rilke-Projekt, skizzierten wir einen Bogen über Kindheit und Jugend, Liebe, Leidenschaft und Scheitern, bis ins heute. So konnte der Abend ein quietschbunter trashiger Rückblick auf Carolins Leben werden, den wir dramaturgisch immer wieder tiefsinnig brachen, um nicht oberflächlich zu werden. Es entstand auf diese Weise eine reife Standortbeschreibung. Carolin verwurstete Songs aus allen Phasen ihres Werdegangs. Für Fans, die sie aus dem Musical-Bereich kannten, oder sie gerne auf der Schlager-Bühne gesehen hätten, war unser Abend sicher starker Tobak und eventuell der letzte Besuch ihrer Konzerte. Der harte Schnitt musste jedoch sein, denn wer Carolin Fortenbacher nur in ihrer Eingeschränktheit lieben konnte, war kein Förderer ihrer Entwicklung und nahm das Bestreben nach künstlerischer Neugier und Neuausrichtung nicht ernst.
Nachdem wir thematisch schon bestehende Songs den Lebensphasen zugeordnet hatten, stieß Dominik Pobot zu uns. Er hörte Carolin zu und verstand sie sofort. Er wusste auf geradezu geniale Weise mit seinen Texten und kompositorischen Umsetzungen auf den Punkt zu kommen und genau die Seelenhaltung in ein Lied zu formen, nach der wir verzweifelt bei anderen gesucht hatten. Spielend schrieb er neue Texte zu bekannten Melodien, schloss die Lücken im Bogen und machte den Abend rund.
Parallel entstanden die großartigen Kostüme von Bernhard Westermann, die in ihrer schrägen Weise die kleinsten Aspekte der neuen Bühnenfigur unterstrichen; ebenso wie das ausgefeilte Make-up, das den fünfziger/sechziger Jahren entlehnt war. Die letzten Moderationstexte entstanden und führten von einer Spielsituation in die nächste und von einem Lied zum anderen. Mit Andreas Paulsen war schließlich das Bühnen-Team komplett. Er stellte sich feinsinnig auf jede Nuance der Arrangements von Dominik oder die Wünsche von Carolin ein.
Die Proben waren auf wunderbare Weise geprägt von dem Zusammenspiel unseres Quartetts und das betraf alle Bereiche, in die jeder seine Ideen als Anmerkung oder Vorschlag mit einbrachte.
In den Fliegenden Bauten betrat eine ungewöhnliche und neue Carolin Fortenbacher die Bühne und es ist unbegreiflich wie schade, dass der Abend (bisher) nur so wenige Aufführungen erleben durfte.


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