Logo    
     
DIENSTLEISTUNGEN
THEATER
MUSIKTHEATER
EVENT
VARIETÉ & SHOW
THEATERPÄDAGOGIK
KULTURPÄDAGOGIK
SOCIAL-ART-PROJECTS
PÄDAGOGIK
WERKSTATTGESPRÄCHE
VITA
BONUSMATERIAL
PRESSEMATERIAL
LINKS/PARTNER
KONTAKT/IMPRESSUM
 
« neueres zurück zur Übersicht  

Die Panne
(nach) Friedrich Dürrenmatt

Rolle: Kummer
Regie: Matthias Messmer
Teatro Vivo, Heidelberg
1986


»Die Panne« war die erste und einzige Produktion des »Teatro Vivo«, das Matthias Messmer als „Theaterübergang von der Schule in den Zivildienst“ ins Leben gerufen hatte. Das Ensemble bestand aus Schulkameraden und die Proben fanden in den Räumlichkeiten meiner Zivildienststelle und einer Pfadfinderhütte im Wald nahe Heidelberg statt. Matthias Messmer legte das Stück in Form des Erzähltheaters an.

Ausgangspunkt des Stücks, sowohl als Erzählung wie in der Hörspielfassung, ist die Autopanne des Textilvertreters Alfredo Traps. Im Dorf ist kein Zimmer frei, und so verbringt er die Nacht im Haus eines pensionierten Richters. Die Einladung zu einem edlen Mahl, an dem auch die Ruheständler Staatsanwalt Zorn, Verteidiger Kummer und Henker Pilet teilnehmen, wird mit der Teilnahme an einem „Spiel“ verbunden. Die Greise spielen jeden Abend ihre alten Berufe und Traps soll die Rolle des Angeklagten übernehmen.

Das Tischgespräch zeigt Traps als den typischen Karriere machenden Geschäftsmann, der die Mittel kennt, um Erfolg zu haben. Zuerst noch stolz auf sein Leben, wird ihm immer klarer, dass sein Verhalten den ethischen Normen der Gesellschaft widerspricht.

Aus Traps Verhältnis zur Frau seines Chefs und dessen Tod dreht ihm Staatsanwalt Zorn schließlich einen Strick und klagt Traps des Mordes an. In alkoholisierter Stimmung sieht Traps sich nicht mehr als jemanden, der die Umstände ausnutzt, sondern als aktiven Täter. Er widerspricht der Argumentation von Verteidiger Kummer, dass er unschuldig sei, gesteht den Mord und bittet Richter Wucht um das Urteil. Dieser beendet den Abend, indem er Traps zum Tode verurteilt und den stark angetrunkenen Traps vom Henker Pilet ins Zimmer der zum Tode Verurteilten zur Nachtruhe bringen lässt.

Die Werke enden unterschiedlich: In der Erzählung erhängt sich der von seiner Schuld überzeugte Traps, während er im Hörspiel und im Film am nächsten Morgen seinen Rausch ausgeschlafen und alles vergessen hat. Im Theaterstück kommen noch zusätzliche Personen hinzu und auch diese Geschichte endet mit dem Tode Traps, jedoch erschießt er sich in dieser Fassung.


Hintergründe unserer Arbeit an »Die Panne«

Matthias Messmer entschied sich mit Johanna Martin – die später seine Frau und eine wunderbare Dramaturgin wurde – die verschiedenen Fassungen des Stoffes ineinander zu verschränken.
Seinem Praktikum am Stadttheater Heidelberg für »Geschichten aus 1001 Nacht« von Mike Alfreds, war wohl der Glücksfall zu verdanken, dass wir den Stoff in einer spannenden und lebendigen Form des Erzähltheaters umsetzen konnten. Diese Form und die Erfahrungen damit prägten Matthias Messmers Regiestil auch nach seinem Studium an der Ernst-Busch-Schule in Berlin sehr. Ebenso war diese Form für zahlreiche meiner eigenen Produktionen später sehr entscheidend, als ich vornehmlich im Regie-Bereich zu arbeiten begann.
Eine kleine Tournee nach Berlin in einem alten VW-Bus über die DDR-Grenze nach Berlin werde ich sicher nie vergessen. Ebenso wie die Auftritte in der dortigen »Scheinbar« mit Bollerofen und einem wilden Sammelsurium alter Stühle. Weil die Bühne viel zu klein war, suchten wir nachts noch alte Bretter in der Stadt, mit der wir die Bühne auf das nötige Maß erweiterten.
Den Umstand, dass in diesen Tagen zum ersten Mal die Republikaner die Fünfprozenthürde überschritten, bauten wir spontan in die Aufführung ein.
Leider blieben nicht alle Ensemble-Mitglieder dem Theater verbunden, aber es war ein schöner Impuls, sich für das Theater zu erwärmen. Mit Nils Ahlborn stand ich folgend noch in »Viel Lärm um nichts« und »Anatevka« auf der Bühne. Ohne die jahrelange Aufmunterung, an meinen Projekten festzuhalten, durch Johanna Martin und Matthias Messmer, würde ich gewiss nichts mehr mit dem Theater zu tun haben.
So bleibt »Die Panne« für mich – zusammen mit meinem Solo »Ansichten eines Clowns« – der Ausgangspunkt für meine Theaterarbeit.


« neueres zurück zur Übersicht